Grundlagen der Unterwasserfotografie
Um die Grundlagen der Unterwasserfotografie beschreiben zu können, ist es zu erst notwendig, die physikalischen Gegebenheiten des Lichtes, der Luft und des Wassers zu betrachten.
Grundsätzlich sind die physikalischen Gegebenheiten unter der Wasseroberfläche für Analog- und Digital-Fotografie gleich. Für gute Ergebnisse ist es unabdingbar, dass diese physikalischen Zusammenhänge bekannt sind und verstanden werden.
Jeder Taucher hat während des Tauchganges mit den zwei Medien Luft, in der Tauchermaske, und Wasser, in dem Medium, wo man sich als Taucher bewegt, zu tun.
Zum Verständnis muss man wissen, dass sich das Licht in den beiden Medien wegen der unterschiedlichen Dichte unterschiedlich schnell ausbreitet. Das hat zur Folge, dass das Gesehene wie z. B. ein Fisch für uns Taucher um ca. 1/3 größer wahrgenommen wird als dieser tatsächlich ist. Dadurch erscheint der Abstand zum Fisch auch etwa um ¼ näher zu sein als es in Wirklichkeit der Fall ist. Dieser Effekt ist zu beachten für die manuelle Einstellung des Abstandes am Kamerasystem und dem Einschätzen der Einstellung des externen Blitzes.
Tritt das Sonnenlicht vom Medium Luft in das Wasser ein, wird das Licht bis zu unserem Speichermedium (Film in der Analogkamera; Digitalspeicher in der digitalen Fotografie) in der Fotokamera von den Faktoren Reflexion, Diffusion und Absorption beeinflusst. Lassen Sie uns diese Faktoren genauer betrachten.
Reflexion
Je nach Sonnenstand und Beschaffenheit der Wasseroberfläche wird der Lichtstrahl der Sonne von der Wasseroberfläche reflektiert. Je steiler der Sonnenstand ist, desto mehr Licht dringt durch die Wasseroberfläche. Je unruhiger die Wasseroberfläche ist, desto mehr Licht wird von der Wasseroberfläche reflektiert.
Was bedeutet dies für uns Fotografen?
Da stimmungsvolle Bilder nur mit genügend Mischlicht erzielt werden können, sollte sich der Fotograf über die Motivwahl im Klaren sein. Ist zum Beispiel der Tauchgang früh am Morgen der Himmel Wolken behangen und auch noch ein Wellengang, so sollte sich der Taucher überlegen, ob er Weitwinkelaufnahmen machen will. Dies wird noch wichtiger, wenn wie z.B. an der Kamera ein Objektivwechsel nur über der Wasseroberfläche möglich ist. Hier sollte der Fotograf Makroaufnahmen machen, denn bei dieser Technik spielt das Mischlicht eine untergeordnete Bedeutung.
Warum ist das so?
Da der Sonnenstand zur Wasseroberfläche in einem geringen Winkel ist, treffen auch die Lichtstrahlen in einem geringen Winkel auf die Wasseroberfläche. Umso mehr wird das Licht von der Oberfläche reflektiert, es dringt nur wenig Sonnenlicht in das Medium Wasser. Das wird noch verstärkt, wenn die Wasseroberfläche wellig ist. Ist dann der Himmel auch noch wolkenverhangen, so wird das Licht schon in der Himmelssphäre geschwächt. Als Schlussfolgerung können wir sagen, dass zu wenig Umgebungslicht im Wasser für stimmungsvolle Weitwinkelaufnahmen herrscht.
Diffusion
Der Unterwasserfotograf wird selten optimale Bedingungen im Wasser vorfinden. In jedem Wasser, sei es Süßwasser oder Salzwasser, sind Schwebeteilchen mehr oder weniger vorhanden. Das können organische oder anorganische Teilchen sein. Das ist ein Umstand, dem der Taucher nicht aus dem Weg gehen kann. Er kann nur durch bedachtes Tauchen den Umstand so gering wir möglich halten. Durch eine gute Tarierung wird der Taucher wenig oder keine Schwebeteilchen vom Grund aufwirbeln.
Die freischwimmenden Teilchen beeinflussen die Qualität unserer Aufnahmen zu einem erheblichen Teil. Denn sitzt der Kamerablitz dicht oder direkt an dem Objektiv der Kamera, so erfasst das ausgestrahlte Blitzlicht die Schwebeteilchen und hinterlässt auf dem Bild Schneegestöber. Deshalb ist die richtige Anordnung des Blitzes zur Kamera wichtig. Als Grundsatz gilt, je größer die Brennweite, desto weiter weg muss der Blitz von der Kamera. Bei Makroaufnahmen hat dies wieder weniger Einfluss, da die Distanz Objektiv zum Motiv wenige Zentimeter sind und dadurch wenig bis gar keine Schwebeteilchen dazwischen sind.
Absorption
Das Sonnenlicht setzt sich aus mehreren Farben zusammen, wir sprechen hier von Spektralfarben. Die Farbelemente werden bei einem Regenbogen sichtbar. Das Licht ist nichts anderes als Schwingungen. Die Wellenschwingungen werden in Nanometer gemessen. Jeder Farbanteil des natürlichen Lichtes hat eine andere Wellenlänge.
Wasser hat eine größere Dichte als das Medium Luft. Je kleiner die Wellenlänge des Farbstrahls ist, desto schneller wird der Farbanteil ausgefiltert, wir sprechen hier von Absorption.
So sind die roten Anteile des natürlichen Lichtes schon in geringer Tiefe nicht mehr sichtbar. In der Reihenfolge werden die orangen, gelben und grünen Farbanteile, abhängig von der Tiefe, vom Wasser absorbiert, so bleiben ab einer Tiefe von 15 Metern nur noch die blauen und violetten Anteile des Sonnenlichtes übrig. Das erklärt auch, warum man in großen Tiefen die Umwelt nur noch im faden blauen Licht wahrnimmt.
Diese Erkenntnis ist wichtig beim Einsatz des Blitzlichtes, denn dieses physikalische Gesetz gilt auch hier. Unsere Lichtquelle ist der Blitz, deshalb müssen wir den Weg vom Blitz zum Motiv zurück zum Objektiv aufaddieren. Wenn wir nun satte Farben auf unserem Foto haben wollen, darf der Abstand vom Blitz zum Motiv nicht mehr als einen Meter betragen. Denn der Weg, den die Lichtwellen zurücklegen müssen, betragen zwei Meter. !!!! Deshalb gilt: Nah ran ans Motiv!!!!
Sichtweise der Fotos
In der westlichen Welt ist die Schreib- und Leseweise von links nach rechts, so ist auch unser Auge und Hirn geschult. Das bedeutet, dass wir ein Bild als angenehmer empfinden, wenn das Motiv dementsprechend ausgerichtet ist. Anhand eines Beispiels möchte ich das genauer erörtern. Nehmen wir ein Fischporträt. Einmal schaut der Fisch von links nach rechts und einmal von rechts nach links. Wir werden die Aufnahme, in dem der Fisch in Richtung unserer gewohnten Ausrichtung schaut als spannender empfinden.
|